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Skulptur v. Sir William Lindley

Nicht weit vom Elbpark Nähe Landungsbrücken beginnt die sehenswerte Strecke einer der drei Hamburger U-Bahn-Linien auf luftigen Viadukten entlang der Hafenmeile, um dann kurz vor der Station Rathausmarkt wieder im Tunnel zu verschwinden. Unterhalb dieses Streckenverlaufs (zu dem einmal im Jahr parallel das Fest des Hafengeburtstags im Mai eines jeden Jahres stattfindet) in Höhe der Station Baumwall sind ein Häuschen und eine Skulptur aufgestellt. Die Geschichte des Häuschens aus dem Jahre 1804 ist schnell erzählt: es ist der Zugang zu einer unterirdischen Sielanlage. Er gilt auch als der "Rainer-Funke-Einstieg" benannt nach dem Leiter der Hamburger Stadtentwässerung (HSE) vom 1995-2005.
 

Die Geschichte der Skulptur ist bedeutend und länger und kann hier nur in Stichworten aufgeschrieben werden. Es handelt es sich um den Engländer Sir William Lindley, geb. 07.09.1808 in London. Als Sechzehnjähriger kam er für nur kurze Zeit in die damals noch preußische Stadt Wandsbek vor den Toren Hamburgs, um bei dem Schwiegersohn des Dichters Matthias Claudius deutsch zu lernen. 1833 kam W. Lindley als ausgebildeter Ingenieur und Assistent Francis Giles nach Hamburg zurück, um im Auftrag wohlhabender Hamburger Kaufleute eine Eisenbahnlinie von Hamburg nach Bergedorf zu planen (den Bahndamm gibt es noch heute; ebenso einige unter Denkmalschutz gestellte Baulichkeiten).

Dank seines Könnens und seines zuvorkommenden Stils machte er bald die Bekanntschaft mit damaligen Größen, wie der des Stadtplaners und Architekten Alexis de Chateauneuf, des Senatssyndikus Banks, und des Bausenators Jenisch, die ihm, ausgelöst durch den "Großen Brand in Hamburg" vom 05.05.1842, im Namen der Rath- und Bürgerdeputation, die technische Leitung für die gesamte Neuplanung des abgebrannten Stadtgebietes und nachfolgend die des gesamten Hamburger Bauwesens übertrugen. Sir W. Lindley blieb bis 1860 in Hamburg und hatte in dieser Zeit oftmals revolutionäre Ideen in die Tat umgesetzt und die "wachsende Stadt" um nachstehende technische Errungenschaften "bereichert":

  • Modernisierung der Trinkwasserversorgung
  • Schaffung eines kommunalen Sielnetzes durch Neugestaltung einer unsichtbar und geruchlos verschwindenden Entsorgung von Regenwasser, häusliche Schmutzwasser inklusive der Fäkalien und Abwässern in Siele, die mit unterirdischen begehbaren Abwasserkanälen verbunden waren - ein Novum für Kontinentaleuropa.
  • Selbstreinigung des Sielsystems mit Wasser aus der aufgestauten Alster
  • Bau von Abfangbecken für einen Rückstau bei Abfluss der Wassermassen in die sich durch Ebbe und Flut selbst reinigende Elbe
  • Einbau von selbst schließenden bzw. öffnenden Fluttoren bei den Sielausmündungen in die Elbe, um bei Flut und erst recht bei Hochwasser, das Eindringen des Flusses in die Stadt und in die Keller der Haushalte zu verhindern
  • breitere Straßen mit Gehwegen auf beiden Seiten und moderner Gasbeleuchtung
  • Löschwasserversorgung - zusätzlich verstärkt durch die neuen Rückstaubecken- , und damit öffentliche Wasserversorgung für alle Wohnungen
  • Wasch- und Badeanstalten (Holthusenbad) als moderne Stadthygiene, die nicht nur den vermögenden Bürgern, sondern allen Bevölkerungsschichten zugute kam
  • Bau eines neuen, zentralen Wasserwerks im Stadtteil Rothenburgsort (Kaltehofe) für die gesamtstädtische Wasserversorgung. Dort wurde aus trüben Elbwasser über Ablagerungsbecken klares Wasser über Druckrohre in ein neuartiges Wasserverteilungsnetz - bestehend aus Zubringerleitung, Haupt- und Versorgungsleitungen - sowie Hochbehälter ("Wassertürme" wie das Gebäude des heutigen Planetariums, oder der im Sternschanzenpark ) zu den Bewohnern gedrückt.
  • Gasversorgung im ersten modernen Gaswerk am Hafenrand. Modernes helles Gaslicht ersetzte die damals in den Straßen genutzten Öl- und Tranlampen. Bald auch Versorgung der Privathäuser mit Gas für Licht und Energie.
  • Planung der Bahnstrecke Hamburg über Bergedorf nach Berlin

Nachdem Sir Lindley Hamburg verlassen hatte, übernahm er "Aufbauarbeiten" in Städten wie Wuppertal, Krefeld, St. Petersburg, Budapest sowie Moskau. Am 22. Mai 1900 verstarb Sir Lindley im Alter von 91 Jahren.

Adresse: Vorsetzen / Höhe Baumwall
Verkehrsanbindung: U3 S1, S2 S3 Landungsbrücken oder U3 Baumwall

Homepage:  www.db.bauzeitung.de