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An de Eck steiht 'n Jung mit 'n Tüddelband

- Kunst im öffentlichen Raum -

Das Alte Land - Europas größtes zusammenhängendes Obstanbaugebiet - ist genau das Richtige für einen Hamburger Jung. Denn dort gibt es unendlich viele verschiedene Apfelsorten, u.a. "Cox Orange", "Boskop" und "Ingrid Marie" sowie die späteren Weiterentwicklungen wie "Gloster", "Jonagold" und "Elstar".

Doch der Hamburger Jung muss nicht dorthin, er steht bereits an der Ecke in Hamburg-Neustadt, unweit vom Michel und von Hütten. Dort wohnten die Familien der jüdischen Musiker Ludwig und Leopold Wolf.

Sie texteten und sangen 1917 das bekannte Hamburger Volkslied:

An de Eck steiht 'n Jung mit 'n Tüddelband,

in de anner Hand 'n Bodderbrood mit Kees,

wenn he blots nich mit de Been in'n Tüddel kümmt

un dor liggt he ok all lang op de Nees

un he rasselt mit 'n Dassel op 'n Kantsteen

un he bitt sick ganz geheurig op de Tung,

as he opsteiht, seggt he: Hett nich weeh doon,

is 'n Klacks för ´n Hamborger Jung.

 

Es folgt der Refrain:

Klaun, klaun, Äppel wüllt wi klaun,

ruckzuck övern Zaun.

Ein jeder aber kann das nich,

denn he mutt ut Hamborg sien.

 

Bald schon folgte eine weitere Strophe, die den Hamburger Mädels (Deerns) gewidmet ist:

An de Eck steiht 'n Deern mit 'n Eierkorf

in de anner Hand 'n groote Buddel Rum

Wenn se blots nich mit de Eier op dat Plaaster sleit,

un dor seggt dat ok al lang "bum".

Un se smitt de Eiers un den Rum tosomen,

un se seggt: "So'n Eiergrog den hebb ik geern."

As se opsteiht, seggt se: "Hett nich weeh doon, is 'n Klacks för 'ne Hamborger Deern

 

Und auch der Refrain wurde erweitert als Reminiszenz an unsere Bayerischen Mitbürger:

Fiete, Fiete, Fiete vun de Alm,

hett de Büx vull Qualm, und hät er nich de Büx vull Qualm, so wär er nicht der Fiete vun de Alm.

 

Die Verfasser bzw. Interpreten waren eigentlich drei Personen: Ludwig (1867-1955), Leopold (1869-1926) und James Isaac (1870-1943), die sich wegen des zunehmenden Antisemitismus Wolf-Trio nannten. Seit 1895 als Trio und ab 1906 als Duo traten sie auf Bühnen am Spielbudenplatz auf. Durch die Machtergreifung der Nazis erhielten sie 1939 Auftrittsverbot; gleichwohl erklärten die damaligen Machthaber die Gassenhauer zum deutschen Liedgut und wurden zu Bestandteilen der damaligen UFA-Filme.

 

Mehrere Familienmitglieder kamen in Konzentrationslager um bzw. emigrierten rechtzeitig vor der Verhaftung. Doch ihre Lieder lebten in Hamburg weiter. Berühmt wurde dieses plattdeutsche Lied durch Deutschlands berühmteste Volksschauspielerin, die Ohnsorg-Theater-Darstellerin Heidi Kabel (1914-2010), die es oft gesungen hatte.

 

Und 2018 erwarb das Gebäude mit dem ehemaligen Wohnsitz von Ludwig Wolf ein neuer Eigentümer mit Sinn für Kultur – insbesondere mit Bezug zu Hamburg. Er ließ vom Hamburger Bildhauer Siegfried Assmann eine Skulptur anfertigen, die die Beschreibung aus dem Gassenhauer übernimmt: ein Junge hält in der einen Hand einen kleinen Stock, mit dem er das besungene Tüdelband vor sich hertreibt. Es ist real ein Fassreifen - vielleicht von der Holsten-Brauerei?! -, den die Kinder damals auf den fast autofreien Straßen vor sich her rollen ließen und mit einem Stock antrieben. In der anderen Hand hält er ein „Bodderbrood mit Kees". Bekleidet ist er mit Matrosenhemd, kurzer Büx und einer Matrosenmütze. Standort dieser Bronze ist das Haus Hütten 86.

 

Dort wurde am 04.05.19 die Hamburgensie feierlich eingeweiht. Mit dabei waren die aus Schweden angereiste 90-jährige Lotti Höbejögi (Tochter von Ludwig Wolf) mit ihrem Sohn Benno, der nach dem Krieg zeitweilig bei seinen Großeltern in den Hütten 86 gelebt hatte. Natürlich auch der Ur-Großneffe von Leopold Wolf sowie der 94-jährige Künstler Siegfried Assmann sowie der Hauseigentümer. Joja Wendt, der früher selbst in der Straße gelebt haben soll, Stefan Gwildis, Rolf Claussen sowie Schauspieler Peter Franke begleiteten mit Beiträgen die Einweihung.

 

 

Weitere bekannte Hamburger Volkslieder bzw. Gassenhauer incl. Shantys entstanden seit

 

  • 1850 De Hamborger Veermaster
  • 1921 Auf der Reeperbahn nachts um halb eins
  • 1944 La Paloma (spanisch „Die Taube“)
  • 1946 An de Alster, an de Elbe, an de Bill 
  • 1962 Das gibt´s nur auf der Reeperbahn bei Nacht
  • 1963 Junge komm bald wieder
  • 1970 In Hamburg sagt man Tschüss und meint Auf Wiederseh´n

 

 

In der Straße Hütten befindet sich unter

  • Hausnummer 42 das Helmuth Hübener Haus (4.Foto). 1858 war es als Hüttenwache für die Polizei vom Architekten Gustav Forsmann gebaut. Ab 1914 wurde es zum Gefängnis für weibliche und jugendliche Sträflinge. Ab 1938 saßen hier inhaftierte Juden bis zur Deportation in eines der Konzentrationslager ein. Das Gebäude wurde nach dem jüngsten Widerstandskämpfer Helmut Hübener (1925-1942) benannt, der hier bis zu seiner Hinrichtung 1942 in Berlin-Plötzensee einsaß. Hübener begann 1941 eine Ausbildung als Verwaltungslehrling in der Hamburger Sozialbehörde mit damaligem Sitz im Bieberhaus. Dort wurde er von seinem Vorgesetzten denunziert und verhaftet. In der Verwaltungsschule der Freien und Hansestadt Hamburg am Normannenweg 26 in Hamburg-Borgfelde befindet sich eine ständige Ausstellung zu Helmuth Hübener und seiner Widerstandsgruppe. Ein Veranstaltungssaal ist nach ihm benannt und während der Schulzeit für jedermann zugänglich. Das von der Malerin Hildegund Schuster zur Erinnerung an die Helmuth-Hübener-Gruppe gefertigte Wandbild an einem Giebel der Heinrich-Wolgast-Schule in St. Georg wurde am 14.11.10 der Öffentlichkeit übergeben.

 

  • Hausnummer 61 das ehemalige Wohnhaus (5.Foto) von der 1861 dort geborene Martha von Berman Bernays. Sie war eine Enkelin von Isaak Bernays (1792-1849 / Hamburger Oberrabbiners der aschkenasischen Gemeinde in Hamburg) und eine Tochter von Berman Bernays und Emmeline geborene Philip. 1886 heiratete Martha im Wandsbeker Rathaus den Psychoanalytiker Sigmund Freud (1856-1939). Die Hochzeitsfeierlichkeiten fanden im damaligen Hirschel's Hotel in der Wexstraße 23 statt; heute steht dort gegenüber vom Großneumarkt ein Neubau mit einem altehrwürdigen Drogerieladen. Das Paar lebte danach in Wien.

 

Von Hütten ab geht die Peterstraße mit dem Komponistenquartier (6.Foto).

Adresse: Hütten in 20355 Hamburg-Neustadt
Verkehrsanbindung: U3 Station St. Pauli sowie Busse 37 u. M6

Homepage:  ohne
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