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Kindertransporte 1938-1939

- Gedenkstätte -

Über 10.000 jüdische Kinder aus Deutschland, der Tschechoslowakei, aus Polen und aus Österreich erreichten 1938/39 das lebensrettende Großbritannien infolge des Projekts Kindertransporte mit der Ankunftsstation: LONDON - Liverpool Street Station.

Zu verdanken hatten die Kinder und Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft diese Möglichkeit niederländischen und britischen Flüchtlingsorganisationen, die für den Unterhalt einer unbegrenzten Anzahl von  Kindern bürgten und mit ihren Aktionen vielen jüdischen Jungen und Mädchen im Alter von 4 Monaten bis zu 17 Jahren das Leben rettete. Allerdings wurden die Flüchtlinge von ihren Familien getrennt, reisten die Kinder allein in ein Land, dessen Sprache und Kultur sie kaum verstanden. Der Ausbruch des II. Weltkrieges machte weitere Transporte unmöglich.

  • Seit 2006 steht auf Initiative von Prinz Charles / Prinz of Wales am Bahnhof Liverpool Street Station in London eine Inschrift HOPE SQUARE mit dem Hinweis auf „THE CHILDREN OF THE KINDERTRANSPORT“, ein vom Künstler Frank Meisler entworfenes Refugee Children Movement.

 

  • 2008 wurde zur Erinnerung an diese Rettungsaktion in Berlin am U-Bahnhof Friedrichstraße eine Skulptur „ZÜGE IN DAS LEBEN - ZÜGE IN DEN TOD“ (Trains to Life, Trains to Death) des F. Meisler eingeweiht. Denn vor genau 70 Jahre fuhren 1938 die ersten Kindertransporte vom Anhalter Bahnhof in Berlin über Rotterdam bzw. über den Hamburger Hafen nach London. Sie stehen in Lebensgröße auf einem Bahnsteig, der angebunden ist an einem stilisierten Gleis und die jeweilige Richtung für den Zug ins Leben oder in den Tod symbolisiert.

 

  • Ebenfalls seit 2008 erinnert in Wien eine wesentlich bescheidenere Bronzeskulptur der venezolanisch-britischen Künstlerin Flor Kent an die Kindertrabsporte. In der Kassenhalle des Westbahnhofs sitzt ein ca. siebenjähriger  Junge bzw. Bub auf seinem Koffer auf dem Weg ins Leben (5.Foto). Modell saß Sam Morris, der Urenkel von Sara Schreiber, die 1938 als 16-jährige auch nach London reisen durfte und überlebte. Diese Skulptur blendet leider völlig aus, dass der überwiegende Teil der jüdischen Kinder nicht von diesem Glück betroffen war. 
  • Seit dem 11.12.14 kann im Museum der Erinnerung die Dauerausstellung FÜR DAS KIND im Salon BeLLeArTi in der Radetzkystraße 5 im 3. Bezirk besucht werden. In dem Haus hatten 380 Jüdinnen und Juden in einem Massenquartier gewohnt, bevor sie ins Vernichtungslager deportiert wurden. Im Hof befindet sich die Skulptur "DAS MÄDCHEN NAOMI"  - eine Urenkelin eines "Kindes" aus Prag und ebenfalls von Flor Kent als Bronzefigur übertragen.

 

  • 2009 erhielt Danzig eine Skulpturengruppe der Kindertransporte. Das am Danziger Hauptbahnhof Gdańsk Główny installierte Werk zeigt 5 Kinder bzw. Jugendliche verschiedenen Alters an Bahngleisen, von denen die älteren einen Koffer bzw. einen Schulranzen tragen bzw. eine Geige haben, die Kleinste einen Teddybären im Arm hält.

 

  • 2011 erfolgte die gemeinsame Einweihung mit den Teams der Stadt Rotterdam und der Gemeinde Hoek van Holland für die Skulptur „CHANNEL CROSSING FOR LIFE“ am Königin Emma-Boulevard.

 

  • 2015 bekam Hamburg - neben Berlin und Frankfurt a.M. eines der Drehkreuze für die Transporte - 70 Jahre nach der Kapitulation und nur auf intensives Betreiben einer privaten Initiative eine entsprechende Skulptur am Dammtorbahnhof. Auch diese ist nach den Entwürfen von Frank Meisler entstanden und trägt die Bezeichnung "DER LETZTE ABSCHIED" (the final parting). Deutlich auch hier die unterschiedlichen Wege - zum einen zwei Kinder für das Leben in London und vier Kinder für den sicheren Tod in den Konzentrationslagern - zum andren auch das gemeinsame Bewusstsein, dass die meisten Kinder ihre Eltern nie wieder sahen. Fragen werden offenkundig: warum sind die Kinder ohne Erwachsenenbegleitung / was bedeutet  ein Puppe mit abgetrennten Armen in den geöffneten also einsehbaren Koffern?! Unverkennbar der Judenstern auf der Kleidung der jungen Frau sowie die Begleitzettel am Band, die alle Personen tragen. Die Einweihung am 06.05.15 wurde von den Zeitzeuginnen Frau Prof. Dr. Mirjam Gillis-Carlebach und Frau Esther Bauer sowie von SchülerInnen der Joseph Carlebach Schule Hamburg und der Akademie der Polizei Hamburg begleiteten.

Der in Danzig geborene Bildhauer Frank Meisler (*1929) überlebte nur dank dieser Transporte, studierte in London Architektur und siedelte später nach Israel über. Er erhielt das Verdienstkreuz 1.Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für seine Verdienste im deutsch-jüdischen und deutsch-israelischen Verhältnis.
Seine in Lebensgröße erstellten Bronzeplastiken sind sowohl Denkmal für die nach England glücklich ausgereisten Kinder als auch für die Kinder, die mit Zügen der Deutschen Reichsbahn in Konzentrationslager deportiert wurden. Deshalb zeigen die Denkmale an verschiedenen Standorten zwei Gruppen von Kindern und Jugendlichen, die mit dem Rücken zueinander stehen und auf einen Zug warten. Farblich unterschiedlich dargestellt, befindet sich die Gruppe der Geretteten in der Minderheit, denn der überwiegende Teil der jüdischen Kinder kam in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten um! Wie Meisler leben die geretteten „Kinder“ heute in England, den USA, Kanada, Australien und Israel.
Frank Meisler gestaltete auch die Innenräume der Moskauer Gedenksynagoge auf dem Poklonnaja-Hügel in Moskau. Sie wurde 1998 in Erinnerung an die Opfer des Holocaust errichtet und ist Teil des architektonischen Komplexes im Moskauer Siegespark.
2011 wurde sein Denkmal in Janntarny / Königsberg eingeweiht anlässlich des 66. Jahrestages des Massakers von 1944 der NS im damaligen Palmnicken. Das Buch „Der Junge von der Bernsteinküste“ schildert weitere maßlose Gräueltaten noch kurz vor Kriegsende.
Ergänzend sei bemerkt, dass die TIMES von der Uraufführung des Dokumentarfilmes „Into the arms of strangers / Kindertransport in eine fremde Welt“ von Deborah Oppenheimer und Mark Jonathan Harris am 09.11.2000 in London berichtet. Zeitgleich wurde dieser Oscar prämierte Dokumentarfilm in Berlin gezeigt; die Eröffnungsrede hielt der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder.
 

Adresse: Dag-Hammarsköld-Platz in 20354 Hamburg-Rotherbaum
Verkehrsanbindung: S-Bahnen und Fernbahnen sowie div. Busse

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