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Die Kinder vom Bullenhuser Damm

- Gedenkstätte -

Ins KZ-Lager in Neuengamme waren 20 Kinder von ihrem Zuhause fortgeschafft worden, nur weil diese 5- bis12-jährigen Jungen und Mädchen aus ganz Europa als Juden geboren waren. Und ab November 1944 wurden sie in das Außenlager - der Schule am Bullenhuser Damm - für ein halbes Jahr Opfer medizinischer Versuche zur Entwicklung von Impfstoffen gegen Tuberkulose.
Kurz vor Kriegsende, in der Nacht zum 21.04.45, wurden sie in den Kellerräumen der Schule in HH-Rothenburgsort von SS-Männern erhängt. Mit ihnen zwei niederländische Häftlingspfleger und zwei französische Ärzte, die die Kinder schon im KZ Neuengamme betreut hatten.

Gebaut wurde die ehemalige Volksschule 1902 durch Albert Erbe. Terrakottareliefs von Märchenszenen und spielenden Kindern als Ergänzung zur einheitlichen Backsteinfassade täuschten lange drüber hinweg, was  hier 1945 geschah.  Denn erst 1980 wurde die Schule zur Gedenkstätte erklärt. In den Kellerräumen der zeitgleich nach einem der betroffenen Kinder umbenannt Janusz-Korzak-Schule wurden die Räume 1999 für die Öffentlichkeit entsprechend hergerichtet und mit erklärenden Schautafeln ausgestattet bzw. u.a. mit historischen Dokumenten und Textbeiträgen zu den medizinischen Untaten versehen. Auch die Räume, in denen die Kinder erhängt wurden, sind zugänglich.
Neben den begleitenden Betreuern wurden nachfolgend noch weitere 24 unbekannte russische Häftlinge dort ermordet.

Vor der Schule legte die „Vereinigung Kinder vom Bullenhuser Damm e.V.“ ein Rosengarten nach einem Konzept der Hamburger Künstlerin Lili Fischer (1947) an, in dem auf die Namen aller Kinder hingewiesen wird. Der Verkehrslärm der angrenzenden Durchgangsstraßen wird durch einen Palisadenzaun gemildert; im Inneren der Gartenanlage wachsen neben einer Trauerweide eine Vielzahl von Rosensträuchern und Wacholderpflanzen.
Angehörige der Opfer hatten zum Andenken an die Kinder kleine Gedenktafeln aus Granitstein mit Porträtfotos auf Porzellan anbringen lassen. Texte und Tafeln erläutern - teilweise in bis zu acht Sprachen - das Geschehen um die Gedenkstätte.

  • 1985 stiftete das sowjetische Kulturministerium zum 40. Jahrestag der Befreiung eine Bronzeplastik des Künstlers Anatoli Mossijtschuk in Erinnerung an die erhängten sowjetischen Kriegsgefangenen; sie wurde im Rosengarten aufgestellt.

 

  • 1987 wurde der Gedenkstätte das Wandbild „21. April 1945, 5 Uhr morgens“ von Jürgen Waller (1939) raumfüllend im ersten Kellerraum übergeben.

 

  • Zum 66. Jahrestag der Befreiung der Häftlinge im KZ Neuengamme konnte am 20.04.11 die Gedenkstätte Bullenhuser Damm nach mehrmonatigem Umbau im Rahmen einer Gedenkfeier als Dauerausstellung wiedereröffnet werden.

 


Ein Mahnmal in Schnelsen-Burgwedel erinnert seit 2000 ebenfalls an die 20 jüdischen Kinder; viele der neu gebauten Straßen in dem dortigen Wohnbaugebiet wurden nach ihnen benannt. Zu den Opfern zählte auch der zehnjährige polnische Junge Roman Zeller, nach dem der zentrale Platz benannt wurde.

Dort steht auch eine Stele des russischen Künstlers Leonid Mogilevski (*1931), deren eine Seite mit einem Bronzerelief der Porträts der zwanzig ermordeten Kinder versehen ist und deren Namen aufführt. Auf der Rückseite wird das Geschehene beschrieben. Die Errichtung des Mahnmals ging auf Initiative der Bürgerinnen und Bürger zurück, die dieses Kunstwerk über Spenden finanziert, ermöglicht und am 13.07.01 eingeweiht hatten.

Dem Jugendclub Burgwedel wurde anvertraut, das Haus nach Lea Klygerman zu benennen. Damit soll ein Zeichen gesetzt werden „wider dem Vergessen und für die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte“.

Adresse: Bullenhuser Damm 92 in 20539 Hamburg-Rothenburgsort
Verkehrsanbindung: S 21 Station Rothenburgsort

Homepage:  www.kinder-vom-bullenhuser-damm.de
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