Unweit des nördlich gelegenen Schlachthofes und des Heiligengeistfeldes im Süden - 1862 zentraler Markt für Rinder und Schafe - befindet sich die denkmalgeschützte Rindermarkthalle.
Sie wurde 1951 als Zentralviehmarkthalle eröffnet, nachdem durch Kriegseinwirkung die alten Gebäude nahezu völlig zerstört worden waren. Durch die Baubehörde wurde die St.Pauli-Markthalle als stadteigenes Gebäude errichtet, die damals größte freitragende Halle Europas mit einer 14.200m² großen und überdachten Grundfläche. Die bogenförmig gebaute Vorderfront hin zum Neuen Kamp ist 155m lang und 12,5m hoch. Das Innere war eine Freifläche, auf der bis zu 2.500 Rinder und 3.000 Schafe zum Verkauf gestellt werden konnten. Durch die damals fehlende Zwischendecke gaben die Seitenfenster ausreichend Tageslicht. Betriebsgänge entlang der Seitenflügel auf „halber Höhe“ gestatteten einen Überblick über die gesamte Halle. Die für die Tierhaltung erforderlichen rd. 200 Trogeinheiten in der Halle konnten in max. 10 min. gewendet werden, sodass die Unterseite der Tröge eine ebene Fläche ermöglichte.
Die Freifläche diente in den 70er-Jahren auch als Besucherraum für Ausstellungen, Sport- bzw. kulturellen Großveranstaltungen; dabei erwischten Kontrollen der Gewerbeaufsicht so manchen Jugendlichen, der dort seine (erste?) Haschzigarette im Pulk der Musikbegeisterten geraucht haben soll.
Die mit roten Hartbrandziegeln verblendeten Außenfronten der Rindermarkthalle sind mit Keramik-Reliefdarstellungen von Viehmarktszenen durch den Bildhauer Ernst Hanssen (1907-1989 / 5.+ 6.Foto) bereichert worden, ebenso das innere Erdgeschoß der Treppenhäuser. Sie sind auch nach der Renovierung des gesamten Gebäudekomplexes erhalten.
Die Umbauarbeiten wurden 2014 abgeschlossen und beinhalten diverse Großeinzelhandelsbetriebe. Ergänzt wird das Angebot durch Obsthändler aus dem Alten Land, Bäckereien, (natürlich) Schlachter und Gastronomie. Die Obergeschosse nutzen soziokulturelle Einrichtungen aus St. Pauli - u.a.:
- Theater Orange
- Streetart Schule St. Pauli
- Malschule Thiessen
- Nähschule
- Keramikatelier
- Domkindergarten e.V.
- Kulturloge Hamburg
Auch die Kung-Fu-Schule "Whu Sheng" sowie die Mevlana Moschee haben dort ein neues Zuhause gefunden. Die große Parkhalle ist mit vielfältiger Graffiti-Kunst versehen (8.Foto).
Bis zum 29.08.2016 befand sich noch vor der Rindermarkthalle das Feuerstein - Mein Restaurant in St. Pauli (9.Foto). Es musste leider schließen und das Gebäude wurde platt gemacht, damit ein Investor Größeres installieren konnte. Und das, obwohl sich die Paulianer den Erhalt des Stamm-Restaurant vehement gewünscht hatten - nicht nur wegen den sonntäglichen Brunchbuffet in der Zeit von 10.00-14.00h.
Lasst uns in Erinnerung schwelgen über das ehemalige Angebot von
- Cornflakes und Müsli,
- frische Brötchen,
- Rühreier mit Bacon ,
- verschiedene Sorten von Wurst- & Käse,
- Tomate-Mozarella oder Melone-Schinken,
- Antipasti und Salate ,
- Kaviareier und Lachsplatten,
- Suppe und Fingerfood = Frühlingsrollen, Calamares, Chickenwings, Kartoffelecken- und Röstis.
Dazu natürlich Bier vom Fass, Astra oder Feuerstein´s Hausbier Hamburger Elbperle!
