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Foto zum Thema <%= ETV mit Haken%>   
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Eimsbütteler Turnverband e.V.

- Sportanlage -

Die Analen des Eimsbütteler Turnverbands schreiben den 12.06.1889 als den Tag der Gründung. Doch übliche Vereinszwistigkeiten ließen es erst am 19.02.1898 zu, dass nach einer gemeinsamen Regelung der ETV entstehen konnte, damals einer der größten Turnvereine Deutschlands.
Infolgedessen wurde bereits 1910 eine vereinseigene Turnhalle an der Bundesstraße errichtet mit Hilfe eines kräftigen Zuschusses durch die Finanzdeputation der Stadt Hamburg. Die Pläne erstellte Julius Sparbier als "Verbandsvorsteher". Auf seine Veranlassung hin wurde gebaut, aber auch die Fassade der Halle zur Hohe Weide mit zwei antisemitisch geprägten “Turnerkreuzen“ versehen. Das Turnerkreuz wird eindeutig als Vorläufer des Hakenkreuzes gesehen und bewusst von den damaligen Verantwortlichen des Eimsbütteler Turnverbands als Reliefs gesetzt.
Nach wie vor sind von den vier Kreuzen an der Außenwand der Turnhalle zwei besagte Turnerkreuze, das eine rechtsherum drehend, das andere linksherum. Sie bestehen aus vier im rechten Winkel aufeinander fußende "F" für "frisch, fromm, fröhlich, frei". Bekannt sind diese Worte aus der Parole von Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852). Weiterhin unstrittig ist ihre Nähe zum Hakenkreuz, dennoch sind sie keine Nazi-Symbole und werden wohl auch weiterhin vor Ort bleiben.

Doch erst 2009/10 befasste sich der ETV mit der Vergangenheit aus seiner nationalsozialistischen Vereinsgeschichte sowie der Bedeutung dieser antisemitischen Symbole. Mehrere Historiker erforschten dazu auch die Geschichte des Zwangsarbeiterlagers in der großen Turnhalle, zumal in der kleineren Halle der Sportbetrieb weiterlief.

Als Ergebnis dieser Forschungsarbeit

  • stehen zwei Granitstelen als  Denkmal für die verfolgten und ermordeten jüdischen ETV-Mitglieder sowie sollen als Gegendenkmal zum bestehenden Wehrmachtsstein („Unseren gefallenen Kameraden“) zu verstehen sein: „Deutschland hat den ersten Weltkrieg mit verursacht. Es hat den zweiten geplant und begonnen.“ Beide Stelen wurden von dem Künstler Peter Schmidt gestaltet und von der Bildhauerin Alexandra Böhm bearbeitet und umgesetzt.
  • wurden an der Fassadenseite der großen Halle zwei öffentlich zugängliche und ebenfalls von Peter Schmidt gestaltete Tafeln aufgestellt. Eine erklärt die Problematik der Turnerkreuze und die andere Tafel informiert über das Zwangsarbeiterlager Bundesstraße 96.
  • entfernte der Verein den Namen eines ehemaligen Vereinspräsidenten aufgrund seiner Beziehungen zur NS-Kriegswirtschaft und nennt sie nun „Große Halle
  • bemühte sich eine Initiative erfolgreich um die Umbenennung der zwei Sportplätze in „Softballplatz an der Hohe Weide“ sowie „Sportplätze an der Bundesstraße“.  Denn 1933 ehrten die damaligen Machthaber zwei ihrer NSDAP-Mitglieder - die ersten und zweiten Vereinsvorsitzenden - durch die Benennung der Sportplätze nach ihnen.
  • veröffentlichte der ETV die umfangreiche historische Aufarbeitung von Sven Fritz in dem Buch mit dem Titel „…daß der alte Geist im ETV noch lebt. Der Eimsbütteler Turnverband von der Gründung bis in die Nachkriegszeit“.

2016 erinnerte der Publizist Marut G. Perle auf der Eimsbütteler Veranstaltung „Monats des Gedenkens” an die Schicksale von drei jüdischen ETV-Mitglieder. ETV-Mitglied Richard Glückstadt flüchtete 1933 mit seiner Familie nach Belgien. Er starb 1940 an den Folgen seiner Gestapo-Haft in Brüssel. Die ETV-Mitglieder Rudolf Glückstadt und sein jüngerer Bruder Max flüchteten 1939 nach Bolivien beziehungsweise nach England.

 

Sportlich bemerkenswert war der Erfolg des ETV, 1930 + 1940 + 1942 vor dem „ewigen“ Titelträger HSV die Norddeutsche Meisterschaft zu gewinnen.

Adresse: Bundesstr. 96 in 20144 Hamburg-Eimsbüttel
Telefon: 040 4017690
Verkehrsanbindung: Bus 4 Station Bundesstraße

Homepage:  www.etv-hamburg.de