
Am 10.12.1982 wurde in Jamaika auf der Grundlage des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen (UN) der Internationale Seegerichtshof (ISGH) geschaffen. Dem Gericht gehören 21 Richter an, die zur Streitschlichtung zwischen den Vertragsstaaten in Fragen der Schifffahrt, der Meeresbodennutzung, der Fischerei und der Meeresumwelt angerufen werden. Sie werden auf neun Jahre gewählt. Ihr Mandat ist erneuerbar. Alle drei Jahre wird ein Drittel des Richtergremiums neu gewählt. Am 01. August 1996 fand in New York die erstmalige Wahl der Richter des Gerichtshofs durch die Vertragsstaaten statt. Bereits am 21.08.1981 bestimmte die III. UN-Seerechtskonferenz, aus Reminiszenz an die Hafen- und Handelsstadt, Hamburg zum Sitz des Internationalen Seegerichtshofs.
Am 18. Oktober 1996 erfolgte die Grundsteinlegung des Neubaus, der am 3. Juli 2000 im Beisein des Generalsekretärs Kofin Annan der Vereinten Nationen dem ISGH übergeben und im November 2000 bezogen werden konnte. Planung und Ausführung erfolgten durch das Architekturbüro Emanuela Freiin v. Branca. Am 14.12.04 wurde das Sitzstaatübereinkommen mit dem ISGH unterzeichnet. Damit hatte erstmals eine bedeutende Rechtsinstitution aus dem weiteren VN-Bereich ihren Sitz auf deutschem Boden.
Bei dem Neubau in Nienstedten handelt es sich um einen über eine Gesamtfläche von mehr als 36 000 ² erstreckenden Massivbau aus Stahlbeton, Glas, Stein und Holz. Das gekonnte Zusammenspiel von Größe und Licht einerseits, sowie die Verbindungen der dreigeschossigen Eingangshalle zum, als Rundbau entwickelten, großzügigen Gerichtssaal andererseits, sind vortrefflich gelungen. Im ersten Obergeschoss sind die Sitzungssäle zu finden, dazu, im südlichen Teil, die Büros und Beratungsräume des Präsidenten, des Vizepräsidenten und Kanzlers sowie der Richter und Sekretärinnen. Die Ausstattung der Zimmer ist gleich, allein das Büro des Präsidenten wurde um eine Schlafnische und ein komplettes Duschbad ergänzt. Täglich arbeitet hier der aus über 30 festen Mitarbeitern bestehenden "Stab" der Institution, ein Team, das während der Arbeitssitzungen des hohen Gerichts durch Zeitarbeitskräfte, zumeist Dolmetscher, verstärkt wird. Ihre Arbeitsräume befinden sich in den Flügelbauten im Norden und Osten. In den Untergeschossen des Neubaus wurden die Tiefgarage, die Gesamttechnik, ein Fitnessraum sowie eine Bar untergebracht.
Ein Übergang im Untergeschoss führt zur Villa Schröder, das der Hamburger Kaufmann Freiherr von Schröder 1871 kaufte und 1905 vom Architekten Martin Haller umbauen ließ (Architekt auch des Hamburger Rathauses). Im Rahmen der Entstehung des Seegerichtshofes wurde die äußere Gestalt der Villa vollständig erhalten. Das Innere wurde - bis auf eine tragende Decke - komplett entkernt und aufwändig restauriert. Die "Villa Schröder" beherbergt im Erdgeschoss das "Kasino" für Mitarbeiter und Richter.
Seit Herbst 2005 hängt das Gemälde "Über dem Ozean" des bekannten Malers Chua Eh Kay im Seegerichtshof. Es ist ein Geschenk von Prof. Tommy Koh, Botschafter der Republik Singapur in Deutschland. Der Botschafter Koh war in seiner Zeit als Vorsitzender der UN-Konferenz zum Internationalen Seerechtsübereinkommen maßgeblich daran beteiligt, dass 1982 die Freie und Hansestadt Hamburg zum Sitz des Seegerichtshofs bestimmt wurde. Und weitere Kunst befindet sich in den Grünanlagen zwischen den Außenflügeln des Gerichtsgebäudes: Eine Skulptur des Schweizer Künstlers Thomas Stricker (siehe auch "Meteorit"). Aus zwei Styropor-Halbkugeln, die als Negativ für einen Bronzeguss dienten, wurden verschlungenen Formen mit Heißdraht ausgeschält. Durch drei Bullaugen und eine Tür kann man ins Innere der fertigen Bronzeplastik "Mehr als siebenzehntel" gelangen. Der Name ist nachvollziehbar?! Blaue Meere bedecken mehr als sieben Zehntel der Erdoberfläche.
| Adresse: |
Am Internationalen Seegerichtshof 22609 Hamburg |
| Verkehrsanbindung: | Buslinien: 36, 39 + 286 zur Station: Am Seegerichtshof |