Die Bauernbarockkirche St. Nicolai ist die älteste Dorfkirche in den Vier- und Marschlanden / Bergedorf und steht in Altengamme. Sie ist dem Heiligen Nikolaus von Myra geweiht, dem Schutzheiligen der Kinder, Fischer, Seefahrer und Händler und wurde 1247 erstmals urkundlich erwähnt.
Eine Besonderheit ist ihr Glockenturm. Er wurde erst Jahrhunderte nach dem Kirchenbau errichtet. Im Gegensatz zur aus Feldsteinen gemauerten Kirche aus der ersten Besiedlungszeit der Vierlande ist er aus Holz.
Neben 2 weiteren beherbergt er als besonderen Schatz die alte Glocke aus dem ehemaligen Hamburger Dom. Der wurde Anfang des 19.Jahrhunderts abgerissen und die Mittlere von 6 Glocken, die „Celsa“, für 2690 Mark Courant von Altengamme gekauft. Dort läutet die 1,40m hohe und knapp 4t schwere Glocke - 1487 in der Gießerei von Gerhard van Wou am Glockengießerwall unweit vom Hauptbahnhof gegossen - bis heute.
Verziert ist „Celsa“ mit zwei fein modellierten Reliefbildern, die die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm zeigen. Knapp 100 Jahre läutete sie in Altengamme, dann riss sie in der Karwoche 1904. Der 40cm lange Spalt wurde genietet, 1988 wurde sie noch einmal geschweißt. Die für Altengamme mittlere Glocke wurde 1691 von Otto Struve gegossen, die kleine 1822 von Johann Diederich Bieber.
Die zwei südlich der Kirche vorgesetzten Eingangsbauten im Fachwerkstil entstanden im
- 17. Jahrhundert = östliche „Manns-Bruut-Huus“ (Männerbrauthaus von 1637),
- 19. Jahrhundert = westliche „Froens-Bruut-Haus“ (Frauenbrauthaus).
und werden „Brauthäuser“ genannt. Denn der Kirchenraum hatte zuvor keinen breiten Mittelgang, in dem zwei Personen nebeneinander gehen und die Braut zum Altar geführt werden konnte. Im Todesfall konnten die Träger den Sarg ebenfalls nur durch diese Zugänge ins Kirchenschiff tragen.
Der Innenraum beeindruckt durch seine vier ausladenden Kronleuchter (von 1640-1719) sowie durch seine farbenfrohe Gestaltung. Er weist eine Vielzahl von Werken einheimischer Künstler auf. Bunte Blumen und Vögel sind als Intarsien im gesamten Raum verteilt, während biblische Personen den bemalten Altar umranken. Vielfach sind die Namen der Stifter genannt und durch geistliche Sprüche ergänzt.
Der bronzene Taufkessel von 1380 bekam 1610 einen absenkbaren Taufdeckel, die bronzene Taufschale und Taufkanne sind von 1924. Am Männergestühl sind 59 schmiedeeiserne Hutständer montiert; zuvor waren es Kerzenhalter. St. Nicolai beherbergt eine alte Barockorgel aus 1750 von Johann Dietrich Busch.
