Sie sind hier: Kulturkarte.de >  News >  Verschub eines Altarbildes

11.04.2022

Verschub eines Altarbildes

Die 1899 gebaute Kirche St. Nicolaus in Alsterdorf erhielt 1938 auf der Rückwand im Altarbereich ein umstrittenes direkt auf den Putz gemaltes Wandbild. Es zeigt den gekreuzigten Christus, umgeben von 12 Personen mit Heiligenschein und von 3 Personen ohne Heiligenschein. Diese Drei vermutet man sollen Behinderte darstellen, die nur durch helfende Hände lebensfähig sind und dementsprechend keine direkte Nähe zu Gott hätten?! Das passte nicht in das Glaubensverständnis der evangelischen Stiftung Alsterdorf, kurzerhand wurde es über Jahrzehnte hinter einem großen Vorhang versteckt. Doch das Denkmalschutzamt forderte eine offene und sichtbare Lösung, da das Wandbild ein Zeugnis der nationalsozialistischen Sakralkunst darstellt.

 

Dieses Altarbild wurde dann Anfang 2021 mit einer diamantbesetzten Trennscheibe aus der Kirchenwand  geschnitten, nachdem dieser Bereich zuvor durch zusätzliche Träger stabilisiert worden war. Ende Mai 2021 wurde der über 50 Tonnen schwere Bild-Wand-Koloss incl. eigener stählerner Stützeinrichtung vor die Kirche in einen Freiraum verschoben, der zuvor entsprechend hergerichtet worden war. Hier soll die ausgrenzende Aussage des Altarbildes sowie dessen Entstehung in der Zeit der Verstrickung der damaligen Alsterdorfer Anstalten in den Nationalsozialismus  von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden und ein zentrales Element eines Lern- und Gedenkorts der Evangelische Stiftung Alsterdorf bilden.

Die nun freistehende und statisch stabilisierte Kirchenwand mit dem Altarbild erhielt zusätzlich einen Witterungsschutz und befindet sich in einem "Glaskasten". Die großen Glasscheiben werden ebenfalls durch Stahlkonstruktionen gehalten, die ein Kreuz darstellen sollen. Das Kreuz läuft direkt über die Christus-Abbildung - eine unglückliche Lösung. Halbwegs erkennbar sind die drei ausgegrenzten Personen. Die unten dargestellte ist nur dann zu erkennen, wenn Interessierte sich nahe genug an die Brüstung stellen, um in die Vertiefung zu schauen. Denn das Gesamtkonstrukt ist mehrere Meter in das Erdreich abgesenkt, warum auch immer. Die Neugestaltung der umgebauten Kirche und das Wandbild wurden am 10.04.22 in einem Gottesdienst gefeiert.

 


Folgende ältere Nachrichten aus unserem Archiv
könnten Sie ebenfalls interessieren:

Mahnmal wird saniert (02.07.2013)
Die Bibel - Das Alte Testament (04.10.2011)
See seh - Meer mehr (06.09.2009)