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22.04.2024

Sanierungsfonds ermöglicht Sanierung der Zinnwerke

Seit dem Jahr 2011 entwickelte sich aus einer 11.000m² großen Teilfläche der früheren Wilhelmsburger Kupferhütte das, was heute überregional als „die Zinnwerke“ verstanden wird. Seitdem haben sich eben diese Zinnwerke aus eigener Kraft zum Ort für Social Entrepreneurship und Kreativwirtschaft entwickelt. In verschiedenen Ateliers, Büros, Werkstätten und einem großen Coworking-Bereich sind über 80 verschiedene Nutzer*innen tätig. Aus den Bereichen Kunst und Kreativwirtschaft umfassen diese bildende Kunst, Filmproduktion, Grafik oder Kommunikationsdesign. NGOs und Initiativen haben hier ebenfalls eine Heimat gefunden. Über 100 Arbeitsplätze sind so in den vergangenen Jahren entstanden. Parallel wurden die Zinnwerke auch zu einem sozialen Treffpunkt und stadtteilkulturellem Begegnungsort. Ganz im Sinn des rot-grü- nen Koalitionsvertrags haben die Zinnwerke nachhaltig positive Impulse für die Quartiersentwicklung gesetzt.

Das von den Zinnwerken genutzte Grundstück „Am Veringhof 7“ ist bis heute für eine gewerbliche Nutzung ausgewiesen. Das Gebäude besteht aus dem ehemaligen Maschinenhaus, zwei sanierungsbedürftigen Hallen und einem großen Garten- und Freigelände inklusive Parkplätzen. Um für den Standort eine stabile Grundlage zur Weiterentwicklung zu schaffen, hatte die Bezirksversammlung Mitte 2017 bis 2018 60.000 Euro für die Erarbeitung eines tragfähigen Nutzungskonzepts bereitgestellt. Die Kreativgesellschaft Hamburg wurde beauftragt zu ermitteln, wie langfristig kostengünstige Räume für Kreativnutzungen im Stadtteil gesichert und erweitert werden können. In einem umfangreichen Beteiligungsprozess wurden fünf verschiedene Szenarien entwickelt und der Bezirksversammlung vorgestellt. Dabei verdeutlichen alle Konzepte das vielfältige Potenzial des Ortes und zeigen, dass die kreative Nutzung unbedingt beibehalten werden sollte. Ein eigenes Konzept der Zinnwerke-Nutzer*innen ergänzt und bestärkt die Weiterentwicklung des Standorts zum Kultur- und Stadtteillabor. Um die Zukunft der Zinnwerke bestmöglich zu gestalten, werden die Ideen für die einzelnen Gebäudeteile (Verwaltungstrakt, mittlere und nördliche Halle) und den Außenraum sinnvoll kombiniert und in einem nächsten Schritt mit Architekt*innen, Planer*innen und Nutzer*innen ausgestaltet. Dabei sollen alle Gebäude und Flächen barrierearm gestaltet werden. Die Sanierung soll auch unter ökologischen und nachhaltigen Maßgaben erfolgen. Um möglichst kostengünstige Räume anzubieten, ist das Ziel, die Sanierungsund Modernisierungskosten in einem vorgegebenen Rahmen zu halten.

In den vergangenen Jahren wurden durch unterschiedliche Akteure unterschiedliche Schätzungen über die Höhe der Grundsanierungsbedarfe erhoben und wieder verworfen. Zur belastbaren Ermittlung des Sanierungskonzepts sollen Untersuchungen der Standsicherheit und der Pfahlgründung des Gebäudes erfolgen und damit eine solide Basis für sämtliche daraus ableitbaren notwendigen und nicht notwendigen Schritte einer Sanierung hergestellt werden.

Damit auf die Sanierung eine nachhaltige Nutzung im Sinne und in Fortführung der bisherigen Entwicklung und der oben skizzierten Nutzung folgen kann, soll parallel durch den Zinnwerke e.V. ein wirtschaftlich tragfähiges Betriebskonzept erarbeitet werden. Im ersten Teil wird es eine Kostenermittlung geben, bei der zunächst die Bohrpfahlgründung untersucht werden muss und der weitere Sanierungsbedarf. Hierfür sollen ca. 395.000 Euro zur Verfügung gestellt werden. Das Betriebskonzept wird mit ca. 170.000 bis 210.000 Euro veranschlagt.

Während der Pandemie wurde über die Zinnwerke eine Versorgung von Wilhelmsburger Schulkindern mit sozialen Kontakten, Essen und Lernmaterialien sichergestellt. Über die letzten Jahre hat sich die wissenschaftliche Kooperation verschiedener Hochschulen via der Summer School ex_kurs etabliert. Hamburger Kultur-Großeinrichtungen wie das Hamburg Ballett nutzen die Zinnwerke. Im November 2023 hat der Verein Zinnwerke e.V. den Max-Brauer-Preis durch die Alfred-Töpfer-Stiftung verliehen bekommen. Aus der Begründung: „Die Zinnwerke sind wichtiger Vermittler für die Entwicklungen am Kulturkanal, lebendiger Freiraum und Treffpunkt für unterschiedlichste Bewohnerschaften Wilhelmsburgs und Hamburgs und werden getragen von bürgerschaftlichem und ehrenamtlichen Engagement“. Das soll mit diesem Antrag verstetigt werden.

 

Die Bürgerschaft möge beschließen:

Der Senat wird ersucht,



  1. ein Umbau- und Sanierungskonzept für die Zinnwerke zur Ermittlung der Sanierungs- und Modernisierungskosten zu erstellen sowie die jeweilige Höhe des konsumtiven beziehungsweise investiven Anteils der Maßnahmen zu ermitteln,


  2. parallel zur Ermittlung der Sanierungs- und Planungskosten die Lawaetz-Stiftung als beidseits – Sprinkenhof und Zinnwerke e.V. – anerkannter Träger zu beauftragen, ein ökonomisch tragfähiges Betriebskonzept für die Zinnwerke zu erstellen,


  3. im Haushaltsjahr 2024 – abhängig von dem Ergebnis dieser Ermittlung – eine Ermächtigung, Kosten zu verursachen beziehungsweise Auszahlungen zu leisten, in Höhe von insgesamt bis zu 600.000 Euro a. für konsumtive Maßnahmen aus dem Einzelplan 9.2, Produktgruppe 283.02 Zentrale Ansätze II „Sanierungsfonds Hamburg 2030“ in dem Einzelplan 1.2, Produktgruppe 207.02 „Sozialraummanagement“, Kontenbereich „Globale Mehrkosten“, b. für investive Maßnahmen im Einzelplan 1.2, Aufgabenbereich 207 „Soziales, Jugend und Gesundheit“, „Sonstige Investitionen“ aus der „Zentralen Sanierungsreserve Hamburg“ (Einzelplan 9.2, Aufgabenbereich 283 „Zentrale Finanzen“) bereitzustellen, 


  4. im Haushaltsjahr 2024 für die dazugehörigen Abschreibungen – in Abhängigkeit vom jeweiligen Aktivierungszeitpunkt der unter Ziffer 3. b. genannten investiven Maßnahmen – die benötigten Ermächtigungen aus dem Einzelplan 9.2, Produktgruppe 283.02 „Zentrale Ansätze II“, Kontenbereich „Kosten aus Abschreibungen“ in den entsprechenden Kontenbereich „Kosten aus Abschreibungen“ im Einzelplan 1.2, Produktgruppe 207.02 zu übertragen,


  5. der Bürgerschaft bis 30. April 2025 zu berichten.


 

Quelle: Wortlaut der Hamburger Bürgerschaftsdrucksache 22/14940 vom 10.04.24


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