Schon am 21.06.25 hatte eine Hamburger Ortszeitung auf ihrer Sportseite ein großformatiges Foto abgebildet, wie die Eröffnungsveranstaltung in Hamburg auf der Binnenalster aussehen könnte (2.Foto).
Dieses Bild war Monate lang der Aufmacher für die teure Werbemaßnahme aus Steuergeldern für Olympia in Hamburg, deren Auftaktveranstaltung in Mitmachformat für die anwesenden Interessierten (natürlich alles in eingeschränkten, knappen Zeitabläufen) in der HafenCity Universität Hamburg am 01.11.25 angeboten worden war. Auf dieser Veranstaltung wiesen Schriftsteller, Moderator*innen und erfolgreiche Sportler*innen mit und ohne Behinderung (3.Foto) vorrangig auf die großartigen, kostengünstigen und zentralen Olympische Spiele 2024 in Paris hin. Daran wollte Hamburg anknüpfen und es noch besser machen, ohne die realen Zahlen aus Paris zu nennen.
Ob Paris wirklich viele positive Attribute zugeschrieben bekommen sollte, kann von hier aus nicht geprüft werden. Der Mangel an der Zugänglichkeit der Metro und anderer öffentlicher Fahrgelegenheiten insbesondere für die Paralympionik*innen und andere an der Fortbewegung eingeschränkte Personen wurde erst im Nachtrag erwähnt. Hier gilt Dank der mutigen Aussage vor Ort auf der Veranstaltung!
Auch ist die Entscheidung der Bezirksversammlung HH-Mitte vom 14.01.25 erfreulich, die bisher nach dem amerikanischen Präsidenten J.F Kennedy benannte Brücke parallel zur Lombardsbrücke um eine Mitbenennung zu erweitern. Nun weist der Name Kennedy auch auf Eunice Kennedy-Shriver (1921-2009) hin. Sie gründete 1968 die Special Olympics, eine vom Olympischen Komitee anerkannte Sportbewegung für Menschen mit geistiger Behinderung. Der Vorläufer für die heutigen Paralympics!
Nun zurück zur Bewerbung der Freien und Hansestadt Hamburg neben anderen Regionen und Städten in Deutschland. Wer bekommt den Zuschlag, den der Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in einem Referendum im Spätsommer 2026 aussprechen wird? Denn der DOSB will Olympia wieder nach Deutschland holen.
Am 31.05.25 übermittelte der Hamburger Senat sein Bewerbungskonzept dem DOSB; natürlich damals ohne Voranfrage bei den Hamburger Bürgern. Aber im Bewusstsein, dass allein das dann folgende Volksentscheidsverfahren mehrere Millionen kosten wird. Das Ausrichtungskonzept für die Bewerbung Hamburgs wurde nachfolgend erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Kosten für Sicherheitsmaßnahmen fehlen bis heute und sind laut Innenbehörde zum heutigen Zeitpunkt nicht bezifferbar. Sicher ist, dass es sich um einen Betrag in Milliarden-Euro-Höhe handeln wird.
Am 09.09.25 informierte der Senat mit der Bürgerschaftsdrucksache 23/1386 die Bürgerschaft über die Bedarfe im Einzelplan 8.1, Produktgruppe 272.03 Sport und bat um Zustimmung. Anlass der Drucksache war die finanzielle Unterstützung der Hamburg-Bewerbung um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele in Deutschland.
Am 10.09.25 lud der Sportausschuss des Bundestages - Vorsitzender ist ein Hamburger Bundestagsabgeordneter - die vier deutschen Olympia-Bewerber ein, damit sie ihre Konzepte vorstellen. So auch Hamburg, unterstützt von Schleswig-Holstein. Nachfolgend stellten Hamburgs Vertreter abends beim Sommerfest 2025 in der Hamburger Landesvertretung in Berlin das Hamburg-Konzept zur Olympia-Bewerbung vor und in der nachfolgenden Woche dem Kanzleramt.
Hamburg JA oder NEIN
als Austragungsort für Olympia 2040 oder 2044. Frei wäre auch noch der Termin 2036. Doch wäre der äußerst unpassend im Hinblick auf die deutsche Geschichte? 1936 fand bereits eine Olympiade in Berlin statt, die eigentlich eine Propagandaveranstaltung des damaligen NS-Regimes war. Diese Verbindung sollte vermieden werden!
Wichtig für Hamburg war der 31. Mai 2026, Enddatum der Hamburger Volksabstimmung. Die Stadt München sprach sich im Oktober 2025 für ihre erneute Bewerbung aus. 1972 fanden dort die 20.Olympischen Spiele statt, verbunden mit dem terroristischen und tödlichen Anschlag auf israelische Wettkämpfer im Olympischen Dorf. In Berlin verzichtete deren Senat auf eine Volksabstimmung und entschied sich autonom dafür. Das Rhein-Ruhr-Gebiet stimmte per Volksentscheid mit über 60% für ihre Bewerbung!
Zurück zu aktuellen Hamburg-Bewerbung. Geworben wurde mit Slogans wie
- 82% der Sportstätten liegen im Umkreis von nur 7km, also gut erreichbar zu Fuß, mit dem Rad oder dem ÖPNV. So wird Olympia nahbar und nachhaltig.
- Hamburg wird zur barriereärmsten Metropole Deutschlands gemacht und setzt starke Impulse für Gleichberechtigung, Teilhabe und Barrierefreiheit.
- Durch Olympia wächst eine „Olympische Generation“ auf. Dafür sollte konkret jedem Kind in Hamburg verlässlich fünf Stunden Sport pro Woche ermöglicht werden.
- Mitgestalten durch transparente Entscheidungen, intensiver Bürgerbeteiligung und einem starken Schulterschluss zwischen Stadt, Land und Bund.
Als Austragungsorte waren neben der Binnenalster u.a. auch Flächen geplant in
- Bahrenfeld im Umfeld von DESY mit dem Olympischen Dorf (4.Foto - Beitrag aus der öffentlich übertragenden Bewerbungsvorlage),
- Klein-Flottbek mit dem Reiter-Derby-Park,
- Heimfeld mit den Harburger Bergen,
- Rothenburgort mit dem seit Jahren erhofftem Bau des ElbDoms,
- Rotherbaum mit dem Rothenbaum Stadion,
- St. Pauli mit dem Olympic Park City Messe + City Heiligengeistfeld,
- Stellingen mit dem derzeit wegen Einsturzgefahr geschlossenen Sportpark Eimsbüttel.
Auf der Eröffnungsveranstaltung in der Uni-HafenCity wurden leider die Austragungsstätten außerhalb Hamburgs nicht erwähnt, denn die Zeit war zu knapp (warum auch immer?). Hier sind u.a. zu nennen die Stadt Kiel als Austragungsort für die Segelwettbewerbe und das Gut Kaden mit seiner international anerkannten Golfanlage.
In der Zeit vom 25.03.-06.05.26 war Dr. Peter Tschentscher (Hamburgs 1.Bürgermeister) als SPD-Vertreter auf Olympia-Tour in allen sieben Bezirken (5.Foto beim ETV in Eimsbüttel). Höhepunkt ist der Olympia-Aktionstag am 22.04.26 mit Frühverteilungen an möglichst vielen U- und S-Bahnstationen und einer Drohnen-Präsentation für ein auserwähltes Publikum (6.Foto).
Am 24.04.26 erfolgte der Versand der Abstimmungsunterlagen an die Hamburger*innen für ein pro oder kontra zur Hamburger Olympia-Bewerbung (7.Foto). Dazu gab es reichlich Werbematerial - auch stadtteilbezogen. Parallel berichtete die Presse fast täglich vom FÜR + WIDER der Bewerbung. Die persönliche Entscheidung wird nun getroffen - natürlich in geheimer Wahl (8.Foto)!
Doch am 31.05.26 stimmten 54,9% der Hamburger*innen eindeutig gegen eine Kandidatur. Die Wahlbeteiligung lag bei 49,5% von rund 1,3 Mio. Menschen ab 16 Jahren, die für Hamburg stimmberechtigt waren.
Mit der Bürgerschaftsdrucksache 23/3732 vom 08.04.26 unterrichtete der Senat die Präsidentin der Bürgerschaft von dem finanziellen Rahmenkonzept für die Hamburger Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen und Paraolympischen Spiele. Laut der NDR-Sendung vom 30.05.26 sollen die Kosten für diese Bewerbungskampagne 18 Mio. Euro betragen haben. Viele Euro Steuergelder für nichts! Schon für dieses Finanzvolumen hätte der Senat vorab seine Bürger fragen sollen. Vorausahnend unterließ er es!
Dabei hätte der Senat es besser wissen müssen. Denn bei der vorherigen Volksabstimmung im November 2015 für die Austragung der Sommerspiele für das Jahr 2024 stimmte bereits eine knappe Mehrheit von 51,6% gegen Olympia bei einer hohen Stimmbeteiligung von 50,2%.
