Sie sind hier: Kulturkarte.de >  Stadtplan >  Infos > Kobern auf dem Kiez in Hamburg  >  Informationen, Adresse, Anfahrt, Homepage und Foto
Foto zum Thema <%= Kobern auf dem Kiez%>   
Foto zum Thema <%= Kobern auf dem Kiez%>   
Foto zum Thema <%= Kobern auf dem Kiez%>   
Foto zum Thema <%= Kobern auf dem Kiez%>   
Foto zum Thema <%= Kobern auf dem Kiez%>   
Foto zum Thema <%= Kobern auf dem Kiez%>   
Foto zum Thema <%= Kobern auf dem Kiez%>   
Foto zum Thema <%= Kobern auf dem Kiez%>   
Foto zum Thema <%= Kobern auf dem Kiez%>   
Foto zum Thema <%= Kobern auf dem Kiez%>   

Kobern auf dem Kiez

- Sehenswürdigkeiten -

Das Wort  Kobern meint das Anwerben einer Person – meistens Männer = Freier –, für einen (kostspieligen) Kontakt mit einer anderen Person – meist Frauen = Prostituierte. Die Koberer standen überwiegend vor Striptease-Bars oder hielten sich im Hintergrund auf und schützen ihre Dirnen, die auf der Straße Passanten ansprachen und sexueller Handlungen gegen Entgelt anboten.

 

In Hamburg gilt die Reeperbahn mit ihren Seitenstraßen als der berühmteste Kiez europaweit. Besondere Zurschaustellung findet in der Herbertstraße (4.Foto) statt, denn dort sitzen die Damen hinter bunt beleuchteten Schaufenstern und zeigen den ganzen Straßenzug entlang ihre Reize, eingepackt in ansprechende Dessous. Die zwei Zugänge sind durch Sichtblenden bis heute verstellt und sollen den Blickkontakt von Minderjährigen und unbescholtenen Frauen verhindern! Es blieb dann keine Ritze offen für schnelles Luschern, mal abgesehen von der gleichnamigen Etablissement auf der Reeperbahn (7.Foto). Doch während der Corona-Zeit wurde auch hier (5.Foto) wie dort der „Verkehr“ eingestellt und die speziellen Schau-Fenster und Vergnügungsorte blieben leer. Mal abgesehen von ortsspezifischer Kunst (6.Foto).

 

Viele der Koberer erweiterten ihr Geschäftsmodell durch die Übernahme von Gaststätten. Dazu brauchten sie eine Erlaubnis nach dem Gaststättengesetz. Das fordert die Zuverlässigkeit und die Unbescholtenheit der Gastronomen, die nicht nur vorausgesetzt, sondern auch behördlich überprüft wird. Damals brachten die Antragsteller umfänglich frankierte Briefumschläge incl. Express-Rücksendung mit, damit das Amt sehr zügig die Strafregisterauszüge (mit oder ohne Eintrag) der zuständigen Amtsgerichte abfordern konnte (3.Foto). Damit sollte vermieden werden, dass die Neueröffnung durch den langwierigen „Behördenkram“ möglicherweise gefährdet würde.

 

Zuständig für St. Pauli ist das Bezirksamt Hamburg Mittel; dort das Wirtschafts- und Ordnungsamt / Konzessionsangelegenheiten. Das befand sich in der 10. Etage der abgerissenen City-Hochhäuser (1.+ 2.Foto). Deren Aufgabenbereich wuchs an durch den Erlass des neuen Gaststättengesetztes vom 09.05.1971. Mit dessen verschärften Regelungen sollte versucht werden, eine erkennbare Zunahme des kriminellen Einflusses im Gastgewerbe mit allen Mitteln entgegenzutreten. Allein für den Bereich der Vergnügungsgebiete in St.  Pauli und St. Georg waren seinerzeit über 1.500 Personen erfasst, die bereits polizeilich im Gastgewerbe in Erscheinung getreten waren.

 

Zumal sich seit den 1970er Jahren ein neues Verhaltensmuster in Form von Strohmännern entwickelt hatte. Denn viele der neuen Gastronomen waren vorbestraft und hätten eine Betriebserlaubnis nicht erhalten. Oftmals schicken sie deshalb ihre Mädels vor, die aufgrund fehlender Kenntnisse bzgl. Wartung von Schankanlagen bzw. Kontrolle nach dem Jugendschutzgesetz ebenfalls keine Erlaubnis bekamen. Das führte verstärkt zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen Zuhältern und Dirnen, in deren hübschen Gesichtern nach der Versagung der behördlichen Zulassung vielfach die eingesteckten Hiebe deutlich sichtbar waren.

Das Amt minderte dieses Problem durch die Erteilung von vorläufigen Erlaubnissen für die jungen Antragstellerinnen, um sie so aus der Schusslinie zu nehmen. Anschließende Kontrollen vor Ort ermittelten, wer tatsächlich der Betreiber ist; es waren die Männer. Dafür stand der Begriff Strohmann-Verhältnis. Die Betriebe wurden geschlossen und ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

 

Der Amtmann Falck war einer der bekanntesten Amtsleiter, der auf dem Kiez für Ordnung sorgte. Auch die bauliche Verlegen der Umkleideräume für die Stripteasetänzerin hinter die Bühne statt gegenüber bei Neueröffnungen wurde durch ihn umgesetzt. Dadurch entgingen die Tänzerinnen beim Verlassen der Bühne hin zu ihrer Garderobe den Begrabschungen der aufgeladen männlichen Besucher.

 

Eine der damals bekanntesten Neueröffnungen war das Erotik-Theater Salambo mit Separees in der Großen Freiheit 11 (8.Foto). Sowohl dort als auch zuvor im Star-Club in der Großen Freiheit 39 (9.Foto) wurden offensichtlich sexuelle Manipulationen u.a. mit Wachskerzen und mit großen Teddys mit Plastik-Penis zwischen den Tatzen sowie Live-Sex auf offener Bühne als Kunst verkauft. Dessen Verbot gestaltete sich gaststättenrechtlich als äußerst schwierig! Andere behördliche Versagungsverfahren waren dagegen erfolgreich.

 

 

Zusätzlich gehörten neben dem Gaststättengewerbe incl. Kabaretts etc. aus den genannten Stadtteilen auch die in der Neustadt bis hin zu den St. Pauli Landungsbrücken und den Vorsetzen sowie die Altstadt mit dem Nikolaiviertel, den Kontorhäusern und der Mönckebergstraße plus Umgebung zum Genehmigungs- und Kontrollbereich des Bezirksamtes. Zwangsläufig auch die Restaurants wie der Ratsweinkeller im Rathaus sowie der Liebermann-Saal in der Kunsthalle, aber auch die gastronomischen Einrichtungen in so namhaften Hotels wie Atlantik und Vier Jahreszeiten. Übrigens nennen sich die Herren, die dort für den Eingängen stehen Portiers. Das sind sehr zuverlässige Personen, deren Aufgaben darin bestehen, Hotelgäste hinein- oder hinauszugeleiten, ggfs. Autotüren zu öffnen und Auskünfte zu erteilen.

 

 

Auf St. Pauli umrahmen bis heute zwei historische Gebäude das sündige Areal. Es sind die St.Joseph-Kirche in der Großen Freiheit und die Davidswache neben dem St. Pauli-Theater. Unerwartet erklären seit Mai 2026 zwei pinke mannshohe Skulpturen (10.Foto), woher die Reeperbahn ihren Namen hat.

Die ca. 4m hohen und rund 350kg schweren Figuren sollen auf die früheren Reepschläger hinweisen aus  Anlass des 400-jährige Bestehens der Reeperbahn. Dabei soll es sich um Kunst handeln?! Konkreter: Die Schiffe brauchen zum Anlanden massive dehnungsarme Trossen aus Hanf oder Flachs; heute bestehen sie aus überwiegend maschinell gefertigten Kunstfasern. Davon werden diverse zusammengeführte Seile auf 150m bis 400m langen sogenannten Reeperbahnen miteinander verdrillert = verflochten. Die Arbeiter nannten sich Reepschläger, anderswo auch Seiler.

 

 

 


Homepage:  keine