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09.09.2015

Schuten und Ewerführer

Am 24.09.15 stellt Harry Braun (*1931) um 19.00h seinen neuesten Text- und Bildband "Ewer und Schuten im Hamburger Hafen" im Speicherstadtmuseum vor - wie immer mit zahlreichen einzigartigen historischen Fotos und kenntnisreichen Texten (Sutton Verlag). Das Speicherstadtmuseum hat dankenswerter Weise zwei Textauszüge - zur Ewerführerei und zur Rolle, die die Schuten früher im Hafen spielten -  zur Verfügung gestellt, die nachstehend abgedruckt sind. Dazu erhielt das Kulturkarte.de-Team zwei historische Fotos, die hier großen Anklang fanden und auf die Hauptseite dargestellt werden. Die Bildbezeichnungen lauten:

  • Ewerführer beim Staken mit einem Peekhaken auf einer Schute, 1950er Jahre (Archiv Speicherstadtmuseum);
  • Schuten beim Laden bzw. Löschen im Brooksfleet in der Speicherstadt, 1937 (HHLA, Gustav Werbeck)

 

Die Texte beschreiben:

Die Schute

Innerhalb des Hafens wurden die meisten Güter früher mit Schuten transportiert: Lastkähnen die sich in flacheren Gewässern mit einer Holzstange - dem Peekhaken -  vorwärts schieben - staken - ließen. Als sich der Hafen in den 1880er Jahren auf das südliche Elbufer ausdehnte, kamen auch Schlepper zum Einsatz. 1960 gingen im Hamburger Hafen noch 20 Prozent des Umschlags auf die Schute. Heute haben der LKW und die Containerisierung die Schuten völlig verdrängt.

Der älteste Schutentyp ist die schlanke Spitzschute, die zur Not auch gerudert werden konnte. Der breite bauchige Typ, der sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchsetzte, ließ sich dagegen nur noch staken oder mit einem Schlepper ziehen. In den 1960er Jahren wurde die Typschute entwickelt, die eckig war und sich somit für Palettenverkehr eignete. Die Typschuten waren so groß, dass man mit einem Gabelstapler an Bord arbeiten konnte.

Mit dem Zollanschluß 1888 wurde die Kastenschute eingeführt, die mit hölzernen Deckeln und  einer Persenning – einem imprägniertem Gewebe - abgedeckt wurde und vom Zoll verplombt werden konnte. Anfänglich durften die Ewerführer die Kastenschuten nur von Samstagabend bis Montagfrüh verlassen. An Bord gab es deshalb einen winzigen Wohnbereich mit Schlafkojen und einem Kohleherd, in dem sich in der wärmeren Jahreszeit sogar ganze Familien einrichteten.

Der Ewerführer

Das Gewerbe der Schutenführer heißt paradoxerweise Ewerführerei, obwohl die Schute und der Ewer nicht mehr gemein haben als den flachen Boden ohne Kiel, der bei geringer Wassertiefe von Vorteil ist. Ein Ewer ist ein kleinerer Segelschiffstyp. Er hat einen Mast, einen gedeckten Laderaum und ein Heckruder. Eine Schute verfügt über keine eigenen Antriebsmittel, und auch die beiden anderen genannten Merkmale des Ewers treffen nur auf bestimmte Schutentypen zu.

Der Arbeitsplatz des Ewerführers war die Schute. Mit ihr übernahm er Waren vom Seeschiff, um sie zu den Lagerhäusern und den Fabriken oder zu anderen Schiffen zu transportieren. Ausfuhrgüter wurden ebenfalls mit Schuten von den Sammelschuppen zu den Seeschiffen gebracht. Außerdem wurden Schuten eingesetzt, um die im Hafen liegenden Dampfer und die Hamburger Kraftwerke mit Kohlen zu versorgen. Und nicht zuletzt dienten sie auch als schwimmende Lagerstätten.

Ewerführer war lange Zeit der einzige Lehrberuf im Hamburger Hafen. Die Lehrzeit betrug vier, ab 1907 drei Jahre. Der Besuch der Berufsschule wurde erst Mitte der 1920er Jahre Pflicht. Die Arbeit war hart. Der Ewerführer musste die zu transportierenden Güter selbst in der Schute verstauen und am Zielort zu Hieven zusammenstellen. Darüber hinaus war er für die Reinigung seines Gefährts und der Arbeitsgeräte zuständig und musste Zollformalitäten erledigen.


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