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28.07.2016

Ohlsdorf 2050

Die Bestattungskultur ändert sich, die Nachfrage nach Grabflächen sinkt. Das bietet die Chance, Europas größten Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf behutsam auch für neue Nutzungen zu öffnen. Vor diesem Hintergrund startet die Behörde für Umwelt und Energie jetzt eine umfangreiche Bürgerbeteiligung  und ruft die Hamburgerinnen und Hamburger auf, ihre Ideen einzubringen.

Erste Überlegungen sehen vor, dass die Beisetzungen sich zukünftig auf eine Friedhofsfläche von rund 100ha konzentrieren und neue Grab­stätten nur noch auf diesen Flächen vergeben werden. Es könnten Obstwiesen und Blumengärten entstehen, auch Kutschfahrten oder eine kulturelle Nutzung ausgedienter Kapellen sind eine Möglichkeit. Maßgebend dabei ist, dass die Ideen in sensiblem Einklang stehen mit dem weltgrößten Parkfriedhof als Kultur- und Gartendenkmal, als Naturraum und natürlich als Trauer- und Gedenkort.

Die Anlage von Obstwiesen oder Blumengärten wie auch Kutschfahrten in der Anlage zählen zu den ersten Ideen. Auch eine gemeinsame Bestattung von Mensch und Haustier auf dafür abgegrenzten Arealen ist als Möglichkeit genannt worden. Ziel ist es außerdem, den Durchgangsverkehr in der Anlage erheblich zu reduzieren, beispielhaft durch Verschiebung der Öffnungszeiten nach dem morgentlichen Berufsverkehrsschwerpunkt.

Der Umgang mit der frei werdenden Fläche und Kapellen soll den Denkmalschutz, die Wirtschaftssituation des Friedhofs und die Ansprüche der Bürgerinnen und Bürger an den Parkfriedhof berücksichtigen. Orte des Austauschs, der Meditation sowie der Besinnung und Erholung stehen im Vordergrund – der Ohlsdorfer Friedhof soll dabei Friedhof bleiben. Wie die Entstehung des Friedhofs zeigt, verlaufen Friedhofsentwicklungen naturgemäß langsam. Die Ergebnisse heutiger Planungen werden daher wahrscheinlich erst in vielen Jahren Auswirkungen zeigen.

Schon seit mehr als zehn Jahren werden nicht mehr auf der gesamten Fläche des Ohlsdorfer Friedhofs Grabstätten neu vergeben, vier Kapellen stehen nicht mehr für Trauerfeiern zur Verfügung. Daneben wird es auf Natur- und Parkflächen weiterhin möglich sein, auf bestehenden Grabstätten beizusetzen und diese zu verlängern. Auf diesen Flächen sollen jedoch künftig keine neuen Grabstätten mehr vergeben werden. So werden sie im Laufe der Jahrzehnte eine geringere Grabdichte aufweisen.

Finanzielle Unterstützung erhält die Behörde für Umwelt und Energie vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit. Im Rahmen des „Bundesprogramms Nationale Projekte des Städtebaus“ fördert das Bundesministerium die „nachhaltige Sicherung und Entwicklung des weltgrößten Parkfriedhofs als bedeutende denkmalgeschützte Friedhofs- und Gartenanlage“ bis 2018 mit zwei Millionen Euro. Die Stadt Hamburg beteiligt sich mit einer weiteren Million Euro an diesem Projekt.

Die Ausdehnung dieses größten Parkfriedhofs der Welt und die Vielzahl seiner Einrichtungen beruhen auf historischen und demographischen Grundlagen , die heute weitgehend überholt sind:

  • Die Beisetzungen haben sich in der Hansestadt seit 1995 als Folge zurückgehender Sterbefälle um 22 Prozent verringert,
  • der Anteil der Sargbeisetzungen ist dabei von 40 auf fast 25 Prozent zurückgegangen.
  • Hamburger Haushalte bestehen zu über 50 Prozent aus einer Person.
  • Viele Kapellen bleiben leer, weil viele Abschiede ohne Trauerfeiern stattfinden.

So entsteht Raum für Neues, für Kunst und Kultur, für Natur aber auch für Freizeit und Erholung.

Quelle: Behörde für Umwelt und Energie, Pressestelle


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