Natürlich sind sie bekannt, die 5 Hauptkirchen in Hamburg. Und wie sie sind ebenso nachfolgend genannte Kirchen bemerkenswert:
- St.Johannes in Harvestehude,
- St.Gertrud in Altenwerder,
- St.Marien-Dom in St.Georg,
- St.Pankratius in Neuenfelde,
- die skandinavischen Kirchen im Portugiesenviertel
- russische Kirche Prokopij in Lokstedt.
Selbstverständlich gilt das auch für die ehemalige Hauptkirche St.Nikolai in der Altstadt; sie ist seit Kriegsende ein Mahnmal.
Die denkmalgeschützten Hauptkirchen haben den 2.Weltkrieg überstanden und sind ggfs. saniert worden. Für mehrere steht die Sanierung aktuell ab 2025 an.
Allerdings wurden nach 1945 über 130 weitere Kirchen in Hamburg neu errichtet, so dass sich ihre Anzahl in Hamburg nahezu verdoppelte. Der Grund für diese Entwicklung ergab sich aus dem Zuzug vieler Geflüchteter nach Hamburg und der damit verbundenen Bedürfnisse nach Geborgenheit. Letzteres wurde insbesondere den Kirchen zugeschrieben unabhängig, ob katholisch oder evangelisch. Also wurde gebaut, so dass jeder Stadtteil „gut versorgt“ war.
Diese neuzeitliche Entwicklung griff nicht zurück auf die früheren Baumaterialien, insbesondere nicht auf den Ziegel. Vielmehr wurden zeittypische Materialien wie Sichtbeton und Stahl verwendet. Auch wurden oftmals die Kirchtürme losgelöst vom Gebetsraum separat in die Landschaft gestellt. Daneben entstanden durch kreative Architekten besonders auffällige religiöse Räume; die St. Maximilian Kolbe Kirche in Wilhelmsburg sei dafür beispielhaft benannt.
Die große Anzahl neuer Gotteshäuser ergab sich auch aus der Teilung und Einbindung von Gemeinden und dem Entstehen neuer Stadtteile an Hamburgs Stadträndern. Hinzu kam der gesamtgesellschaftliche Wunsch nach Geborgenheit im sakralen Raum nach den traumatisierenden Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges. Die jüdische Gemeinde errichtete die neue Synagoge Hohe Weide in Harvestehude. Die sogenannten Blauen Moschee in Hohenfelde war der muslimische Beitrag. Dort war bis heute in vielen Stadtteilen erkennbar mehr Zurückhaltung bei der Aussenwirkung und Nutzung ihrer muslimischen Gebetsräume feststellbar.
Gerade diese Verbindung zur christlichen Kirche nahm in den letzten Jahren bei den religiös geprägten Bürger*innen vehement ab. Daran hatten und haben die Kirchengemeinschaften durch ihr Auftreten, ihre Verfehlungen insbesondere in Missbrauchsfällen sowie in ihrem Finanzgehabe einen großen Anteil.
Doch auch die baulichen Herausforderungen wurden gewaltig. Einerseits ergaben sich klimatechnische Notwendigkeiten und andererseits zeigten sich nicht unerhebliche Baumängel, entstanden nicht nur aufgrund der in der Nachkriegszeit bestehenden Knappheit von entsprechendem Baumaterial. Dies führt/e zur Aufgabe schon vieler Kirchen nach vorheriger Entwidmung:
- Bethlehemkirche in Eimsbüttel - jetzt Kindertagesstätte,
- Bugenhagenkirche in Barmbek - 2019 Entwidmung + jetzt Begegnungszentrum,
- Emmauskirche in Hinschenfelde (1.Foto),
- Gnadenkirche im Karoviertel – 2007 an griech.-orth. Gemeinde übergeben,
- Heilig Kreuz Kirche in Volksdorf (9.Foto) – 2025 steht Entwidmung im Gespräch,
- Heiligengeistkirche in Barmbek – 2005 entwidmet + 2008 abgerissen,
- Kapelle im Park in Wilhelmsburg – ab 2011 Standort für 5 Weltreligionen,
- Kapernaumkirche in Horn – 1971 entwidmet + 2018 Moschee,
- Osterkirche in Eilbek – 2019 an bulgarisch-orthodoxe Gemeinde übergeben,
- Schröderstift Kapelle in Rotherbaum (6.Foto) – 1972 an Orthodoxe übergeben,
- St.Gabriel in Volksdorf – Gemeinde ringt seit 2017 um Erhalt,
- St.Lukas Kirche in Sasel (4.+ 5.Foto) – 2019 entwidmet + 2024 abgerissen,
- St.Michael-Kolbe Kirche in Wilhelmsburg – 2015 Bürgerzentrum,
- St.Nikodemus in Ohlsdorf – 2025 entwidmet + jetzt Kunstraum,
- St.Petri Kapelle auf dem Messegelände (7.Foto) – langjährig ungenutzt,
- St.Stephanus in Eimsbüttel (8.Foto) – 2005 entwidmet + 2022 + Café,
Der Abriss-Höhepunkt gelang bereits 1806. Denn in zentraler Lage Hamburgs auf dem ehemaligen Domplatz zwischen Schopenstehl und Domstraße stand der damals 800-jährige Hamburger DOM, Zentrum der Christianisierung des nördlichen Deutschlands. Anlass für den Abriss soll insbesondere auf Drängen der Kaufmannschaft geschehen sein. Denn es galt, eine starke Konkurrenz auszuschalten. In Ermangelung einer großen Gemeinde soll sich der Dom zu einem Basar gewandelt haben, an dem neben Büchern und Möbeln selbst Würstchen und andere "Köstlichkeiten" angeboten worden sein sollen.
Einen umfassenden Überblick über bedrohte bzw. bereits umgenutzte oder gar abgerissene religiöse Räume schafft der Denkmalverein.
