Über den jüdischen Kaufmann, Kunstmäzen sowie ehemaligen Leutnant der königlich preußischen Fliegertruppe und Jagdflieger Jacob Wolff ((1869-1926 mit privat finanziertem Flugzeug Albatros D.II im 1.Weltkrieg u.a. in der Jagdstaffel 17 von Ernst Udet + Hermann Göring) und seiner Zigarrenfabrik HACIFA haben sich schon viele ausgelassen und vieles geschrieben. Auch ein Teil seiner Lebensgeschichte und seiner Beziehungen zu seinen drei Ehefrauen wurde ansatzweise aufgezeichnet.
Spannend ist die mit dem Gärtnerstöchterlein Elsa. Bereits nach vierwöchiger Scheidung von seiner zweiten Frau bat er mit einem Brief an ELSA Hermine Agnes SCHIRMER (1898-1977) um ein erstes Treffen, obwohl Elsa mit 18 Jahren jünger war als Jacs 20-jährige Tochter aus erster Ehe! Zur Bekräftigung seines „Begehrens“ ließ er ihr durch seine Tochter zusätzlich 1000 Reichsmark zukommen, die sie wie auch immer für sich verwenden dürfte. Auch wurde eine Zigarrenmarke benannte mit 137, der Hausnummer von Elsas Wohnsitz in der Bismarckstraße.
Davon bekam ihr Vater - der Handelsgärtner Carl Hermann Schirmer - Kenntnis. Dieser „unsittlicher Antrag“ erboste (UR-UR-Ur-Groß-*) Vater Schirmer und er ließ dies Jaccob Wolff in einem entsprechenden Schreiben vom 12.08.1917 wissen. Zwecks Verwendung der „Finanzierungshilfe“ verwies er auf diverse soziale Einrichtungen zur damaligen Zeit und überwies das Geld zurück. Als Förderer und Kirchenältester von St.Markus kannte sich C.H.Schirmer auch diesbezüglich gut aus.
Doch die beiden älteren Herren wurden sich irgendwie „handelseinig“ und so hielt der Freidenker Jacob Wolff am 12.09.1917 um Elsas Hand an (Verlobung im September 1917 / 2.Foto), um sie danach ins Internat in die Schweiz zu „einen Benimmkurs“ zu schicken. So jedenfalls erzählte es mir meine Tante Elsa, dem Verfasser dieser Zeilen.
Während dieser sich entwickelnden Beziehung war das Paar nicht untätig. Als Folge davon wurde Jacs Wolff am
- 03.11.1916 vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg das Hamburgische Hanseatenkreuz verliehen,
- 30.06.1917 vom Kaiserlich Türkischen Generalkonsul im Auftrag seiner Regierung die Insignien des Roten Halbmonds überreicht,
- 04.09.1918 von Wilhelm Ernst von Gottes Gnaden, Großherzog von Sachsen-Weimar- Eisenach zum Ritter zweiter Abteilung mit Schwertern ausgezeichnet
sowie die Fabrikbesitzerin Elsa Schirmer, verheiratetet Wolff im Mai 1919 ausgezeichnet „im höchsten Auftrag Ihrer Königlichen Hoheit des Großherzogs Wilhelm Ernst und der Frau Großherzogin Feodora mit dem Erinnerungszeichen an die Kriegsjahre 1914/18. Weimar, Zentral-Direktorium der Frauenvereine“ (8.Foto). Der Hamburger Senat verlieh ihr Ende März 1919 eine Ehrenurkunde für die gemeinsame Arbeit in der Hamburgischen Kriegshilfe (9.Foto).
Zusätzlich installierten Elsa auf dem Hamburger Flugplatz Fuhlsbüttel - seit 2016 Hamburg Airport Helmut Schmidt - ein Flieger-Ehrenzimmer. Es diente vornehmlich Jagdfliegern, aber auch anderen Kriegsfliegern und Personen, die sich im Kriege für die Fliegerei eingesetzt hatten und gelegentlich Unterkunft suchten. Die Stiftung dieses Zimmers sollte eine Anerkennung für die Leistungen der Flieger im Krieg und Frieden bedeuten.
Nach der Eheschließung am 17.04.1918 zog das Paar in das Herrenhaus in der Badestraße 28 mit Blick auf die Außenalster im jüdischen Viertel am Rotherbaum, das von der Familie Wolff insgesamt bewohnt wurde (3.Foto)**. 1920 ließen siedie Villa von der Künstlerin Anke Hugh Malmeström malen. Sie bewohnten das gesamte Haus und hatten somit reichlich Platz für ihre 3 Kinder, die aus dieser Ehe hervorgingen:
- ANNELISE (Lisa) Elsa Bepperling geb. Wolff (1919 - 1990). Sie war leidenschaftliche Vertreterin für den Behindertenreitsport sowie für die Weltsprache Esperanto in der UEA. Beerdigt ist sie auf dem Friedhof Ohlsdorf neben dem Grab ihres Vaters Jacob Wolff.
- EBERHART Hans Heinrich Wolff (1920-1942). Er wurde im 2.Weltkrieg als Flieger in der Bretagne abgeschossen und verstarb dort - sein Ehrengrab befindet sich auf dem Nienstedter Friedhof neben dem Grab seiner Mutter Elsa.
- INGA Melita Maria Elisabeth Bragard geb. Wolff. Sie erfüllte das gemeinsame Testament mit ihrer Schwester nur zum Teil: ihre gemeinsamen wertvollen Kunstobjekte sollten der Hamburger Kunsthalle vermacht werden; jedoch sollte das Ölbild „Der Mann in Leder“ (1918) von Max Liebermann von ihrem Vater als Flieger dem Marinemuseum in Wilhelmshaven zukommen. Doch da sie dieses zwischenzeitlich verkauft hatte, schenkte sie 2004 der Kunsthalle das Bild „Die Birkenallee im Wannseegarten nach Westen“ für die alsbald nachfolgende Liebermann-Ausstellung. Weitere Bilder verkaufte ihre Adoptiv-Tochter 2003 und ließ Inga zu sich ziehen, die dort in Lüchow verstarb und beerdigt wurde.
Ein privates Foto zeigt Elsa, Anneliese + Eberhard in Jacs Flugzeug. Die Story von seinem Tod aufgrund eines schweren Motorradunfalls am 08.07.21 kann nicht bestätigt werden, denn es handelte sich lediglich um eine Knieverletzung (10.Foto). Vermutlich war der Grund seines Ablebens ein Schwächeanfall. Kindererziehung von drei munteren Nachkommen schienen anfordernder zu sein als ein Kriegs- und Fliegerdasein bzw. das Führen einer Zigarrenfabrik!
Auch für die große Leidenschaft KUNST war für Elsa und Jacs reichlich Gelegenheit zur Pflege. Wie selbstverständlich kamen Künstler*innen zu Besuch in die Badestraße und hinterließen dort ihre Werke. So u.a. auch
- Prof. August Gaul (1869-1921) im Hintergarten der Badestr. 28 mit dem verschollenen Entenküken-Brunnen von Juli 1920 (5.Foto). Auch fertigte er für Elsa ein ex-libris an sowie einen Eisvogel mit ihren Initialen als Petschaft,
- Emil Orlik (1870-1932) fertigte für die Familie Wolff ein Bild auf einer Klappdeckel zu einer Vitrine an, auf dem die 3 Kinder im fortgeschrittenen Alter abgebildet wurden (6.Foto).
- Max Liebermann (1847-1935) mit den Gemälden von Elsa + Jacs, vor denen sich die 4. und 5. Generation Schirmer abbilden ließ (7.Foto).
- Frieda Gertrud Riess (1890-1954 / eine deutsche Fotografin jüdischen Glaubens, die damals als die erfolgreichste Gesellschaftsfotografin der Weimarer Republik galt) fotografierte Elsa u.a. als Fliegerin. Die Photographie wurde abgedruckt mit dem Hinweis: Die moderne Frau tritt auch in der Luftfahrt an die Seite des Mannes, weiß aber selbst auch in dieser männlichen Tätigkeit weibliche Reize abzugewinnen.
Weitere bedeutende Werke u.a. von Renoir, Degas, Monet, Toulouse-Lautrec sowie Ivo Hauptmann und Anita Ree wurden damals erworben und aufgehängt im großen Raumangebot des Herrenhauses. Auch die Porzellansammlung aus der Zeit des frühen Meißens aus 1710 von Meister Böttger oder aus der Hand von Bustellis war bemerkenswert.
Ergänzungen:
* Im Jahre 2026 aus der Sicht der 6.Generation Schirmer und weiterer Familienmitglieder.
** Mit Vertrag vom 28.01.1907 vereinbarte der amtlich berufene Vertreter der Finanzdeputation, der Assessor Herr Dr. Leo Lippmann die unentgeltliche Überlassung diverser Grundstücksteile an rückwärtig gelegenen Flächen zur Badestraße an die angrenzenden Grundeigentümer Jacob Wolff, Albert Ballin, Familien Lappenberg, Johann Bohlen, Gerhard Möhlmann, Heinrich Waitz und weitere, vorbehaltlich der Zustimmung des Hohen Hamburger Senats!
Entlang der neu anzulegenden Uferstraße sicherte die Stadt zu, entsprechende neue Fundamente bis zur Tarrainhöhe herstellen und keine Bäume pflanzen zu wollen. So wurde die Sicht auf das Wasser der Außenalster weiterhin gewährleistet.
